Wir ĂĽber uns

Unser Unternehmen greift auf eine lange Tradition im Bereich der Leder- und Fellherstellung zurĂĽck.

Seit weit über 175 Jahren sind wir im Bereich der Ledergerberei und Fellgerberei tätig.

Felle von Bison bis Ziege
26.02.2013 | dapd

Wir_ueber_uns„Ich wĂĽsste nicht, dass es heute in Deutschland noch eine weitere Manufaktur gibt, die sämtliche Sorten von Tierhäuten verarbeitet.“ Zu den Kunden der „Lederfabrik und Pelzgerberei Beuleke“ im mittelhessischen Runkel zählen Schäfer, Jäger, Polsterer, Präparatoren oder auch Biker aus der ganzen Republik, den Benelux-Ländern, Frankreich und Ă–sterreich. „Egal ob Ziege oder Bison, wir fertigen daraus Leder oder Fell“, sagt Inhaber Michael Beuleke.

Die jährlich eine halbe Million Euro umsetzende hessische Gerberei mit sechs Angestellten hat noch im Modeland Italien sowie in Skandinavien Konkurrenz – und in Asien. „In Indien oder Pakistan lassen sich Umweltrichtlinien leichter umgehen“, erklärt der Direktor des Offenbacher Ledermuseums, Christian Rathke, das Verschwinden der heimischen Gerbereien. Wer das Handwerk hier noch praktizieren wolle, mĂĽsse riesige Auflagen auch beim Arbeitsschutz beachten. „Viele scheuen die MĂĽhe. Das Lederjäckchen aus dem Kaufhaus ist dann eben in Bangladesch gegerbt“, sagt Rathke.

Umstellung beweist: Gerberkunst geht auch zeitgemäß

Vor Jahrzehnten schon stellte Beuleke als junger Meister mit Betriebswirt-Diplom den 1826 von seiner Familie gegrĂĽndeten Betrieb um, verzichtete auf die giftige Chromgerbung und installierte eine Klär- und Neutralisationsanlage fĂĽr die Produktionsabwässer. „Das Wasserwirtschaftsamt ist zufrieden mit uns“, freut sich Beuleke. „Neben dem horizontalen Gewerbe ist mein Beruf der älteste der Welt“, sagt er. „Aber vom schönen Handwerk zu reden ist eine Sache. Es zeitgemäß zu praktizieren und damit auch Geld zu verdienen ist noch mal etwas anderes.“

Mehr als 10.000 Häute – mit oder ohne Fell – tragen Beulekes Kunden ihm pro Jahr aufs Gelände. „In Arbeit sind gerade Kuh, Schaf, Ziege, Pferd, Fuchs, Hirsch, Wildschwein, Marder, Elch, Yak und Bison“, zählt der Gerbermeister auf und ergänzt: „Elefant und Stör waren auch schon hier.“ Die Rohware wird in Salz aufbewahrt, bis eine sortenreine Charge – zum Beispiel 200 Hirschhäute – zusammenkommt. Beulekes bevorzugte Methode ist die Pflanzengerbung mit Extrakten aus Mimose, Eicheln und Rinden. „Aber selbst die vegetabilen Stoffe sind so aggressiv, dass Edelstahl kaputtgeht“, erklärt der Meister. „Unsere Gerätschaften mĂĽssen aus Holz sein.“

Wieder und wieder kommt die Haut in den Bottich

Neben Apparaturen, die zum Teil mehr als 100 Jahre alt sind, stehen in der Werkhalle in Runkel über ein halbes Dutzend vier Meter hohe Bottiche, einen Meter breit und an einer Achse rotierend aufgehängt wie ein Hamsterrad. Zum Gerben, Waschen und Färben verschwinden die Häute darin oft tagelang, um gebeizt, gespült oder gewalkt zu werden. Ins rotierende Fass kommen auch Trane, anderes tierisches Schmalz oder synthetische Fette, wobei die Ledersorten unterschiedliche Rezepturen benötigen. Zwischen den Arbeitsschritten werden die Stücke immer wieder aufgespannt und getrocknet.

Am Ende der Produktionskette steht Beulekes wundersamste Apparatur. „Ein englischer halbmechanischer Flächenmesser von 1939“, verrät der Meister. „Ich schiebe die Haut flach in den Maschinenschlitz. Drinnen fallen von oben Hunderte Stifte auf ein Blech und lösen einen elektrischen Kontakt aus.“ Treffen die kleinen Bolzen beim HerabstĂĽrzen auf Leder, registriert die stromleitende Unterlage keine Verbindung. „Wie viel Fläche die Haut also bedeckt, kann der Apparat anzeigen“, erklärt Beuleke und liest an einem Zeiger auf einer Rundskala 2,05 Quadratmeter fĂĽr die hineingeschobene gegerbte Pelle eines Elchkalbs ab.

Elchleder schont jeden Bikerhintern

Das helle, schmiegsame Leder wechselt Minuten später den Besitzer. Hans-Georg Loos, pensionierter Pfarrer aus Mainz, zahlt beim Abholen 60 Euro. „Die Haut war ein Geschenk“, berichtet der 67-Jährige, „und wird meine neue Bikerhose.“ Nur in Runkel habe man ihm das StĂĽck gerben wollen. „Auch in der Bibel kommen Elche ja nicht vor“, erklärt sich der Pfarrer die Widrigkeiten bei der Vervollkommnung seiner Motorradkluft. „Aber offensichtlich mĂĽssen sie ja an Bord der Arche Noah gewesen sein.“
Bericht der dapd »